Vegetarisch ist wie Rauchen. Rohkost ist das neue Vegan!

Zugegeben, die Schlagzeile ist reißerisch und Rohkost ist immer vegan und bei weitem nicht wie rauchen. Deshalb ist die Headline mit Jessica so auch nicht abgesprochen gewesen. Jessica hat auch nie diesen Satz gesagt „Vegetarisch ist wie Rauchen“, aber irgendwie kommt es mir bei einigen militanten Ernährungsvorschriftlern immer so vor, als müsse man radikalisierte Floskeln verwenden. Mach ich jetzt auch mal. So.

Deshalb habe ich mir die bitte nicht ernstzunehmende Überschrift für das ernst gemeinte Interview erlaubt. (Bitte lest erst den Artikel bevor ihr mich wegen einer provokanten Headline zerreißt.)

Aber kommen nun zu dem eigentlichen Thema „Rohkost“ und meiner guten Freundin Jessica Hildebrandt.

Ich habe mir also Jessica Hildebrand vorgeknöpft! Eine Veganerin wie sie im Buche steht. Und natürlich macht sie Yoga, viel sogar. So viel, dass sie ihre Erfahrung weitergeben möchte – in ihrem eigenen Yoga Loft in Recklinghausen namens Samtosha. Neben dem Yoga Loft ist es auch eine Yogaschule in der man sich zum Yogalehrer ausbilden lassen kann. Ich persönlich kenne Jessica schon viele Jahre und obwohl wir in Bezug auf die Ernährungsform nicht weiter diametral auseinanderliegen könnten, gefällt mir ihre Sichtweise. Deshalb wollte ich diese mit euch teilen. Deshalb haben wir beide folgendes Interview miteinander geführt (Ok, eigentlich haben wir ein Glas  Wein getrunken und ich hab ein paar Fragen gestellt)

 

Samtosha Yoga. Jessica Hildebrandt

Samtosha Yoga. Jessica Hildebrandt

 

Nun aber zu Dir, Jessi…stell Dich doch mal bitte vor: Hey Marc, erst mal herzlichen Dank für die Einladung zum Interview. Also, ich bin Jessica, Yogalehrerin und Gründerin des Yogacenters Samtosha. Vor 17 Jahren habe ich mich verliebt – in Yoga. Seitdem brennt mein Herz und ich will die Leidenschaft und das Feuer für Yoga weitergeben. Ich bin so dankbar, dass ich durch Samtosha seit 12 Jahren so eine tolle Form der Körperarbeit gefunden habe.

Was bedeutet denn Samtosha und wie gehst du dein Yoga an?

Samtosha heißt übersetzt: Zufriedenheit, die aus der inneren Mitte entspringt. Ich hoffe dies durch unsere Liebe und Leidenschaft zu unserer Arbeit unseren Kunden näher bringen zu können. Mein Team und ich begleiten Menschen auf ihrem Weg Yoga für sich zu entdecken und so Zufriedenheit, Entspannung und Kraft in ihr Leben einzuladen. In Zukunft möchte ich Menschen mit Samtosha dabei begleiten, ihre eigene Vision und ihr Potential zu entdecken und tatkräftig in ihrem Leben umzusetzen.

Was ist deiner Meinung nach der nächste große Ernährungstrend, wenn „Vegan“ für die Trendsetter „durch“ ist?

Für mich ist Ernährung keine Trendfrage. Es ist wichtig zu spüren welche Ernährungsweise funktioniert und welche nicht? Um sich diese Frage stellen zu können ist es aber wichtig zu einer guten Einschätzung seiner selbst zu kommen. Das ist nicht immer einfach, weil wir heute nicht mehr nur essen um satt zu werden. Wir nutzen das Essen um Belohnung zu erfahren, Stress zu minimieren, zur Identifikation oder um einer bestimmten Gemeinschaft mit Gleichgesinnten anzugehören wie z.B. der veganen Gemeinschaft. So verzerrt sich immer wieder das Bild zum Thema: Was tut mir gut und was nicht? Deshalb gibt es für mich auch keine Abstufung von ‚Was ist am Besten?’ Das muss jeder für sich selbst erfahren.

Die ersten Sätze in meiner Yogalehrerausbildung sind immer die gleichen: Ich werde jeden Auszubildenden dazu anleiten sein eigenes Yoga zu unterrichten, nicht Samtosha Yoga, sondern Sandra unterrichtet Sandra-Yoga, Marc unterrichtet Marc-Yoga und genauso sehe ich das mit der Ernährung auch. Deshalb -alles was ich im folgenden Interview erwähne funktioniert für mich, muss aber nicht für Dich gelten.

Ich ernähre mich vegan, weil ich spüre, dass das körperlich, geistig und psychisch für mich am besten funktioniert. Seit ich vegan lebe fällt mir meine Yogapraxis leichter, meine Meditation ist tiefer und ich fühle mich energiegeladen. Hier habe ich jedoch nicht nur eine persönliche Entscheidung getroffen, sondern möchte mit meinem Konsumverhalten das Leid anderer Lebewesen bestmöglich minimieren. Im Yoga bemühen wir uns um Gewaltlosigkeit, das bleibt natürlich eine lebenslange Aufgabe.

Umso tiefer ich ins Yoga eingestiegen bin, umso wichtiger wurde es für mich mein Energielevel zu erhöhen. Der Yogi spricht bei dem Begriff Energie von Lebensenergie oder Prana.

Um so stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, umso weniger Prana enthält es.

Deshalb ist eine einfache Ernährung mit naturbelassenen Lebensmitteln ein Energiegarant. Gleichzeitig gibt es Lebensmittel, die uns psychisch und geistig sehr beeinflussen. Es gibt Nahrungsmittel, die uns träge werden lassen wie z.B. faule, unreife oder zu oft aufgewärmte Nahrungsmittel.  Dann gibt es die Lebensmittel die uns zu stark erregen und Geist und Emotionen unruhig machen wie Kaffee, Zucker oder Weißmehl. Das, was Deinem Körper neue Energie gibt, leicht verdaulich ist und Dir hilft geistig klar, subtil und friedvoll zu bleiben nennen wir sattwige Nahrung. Sattwige Nahrung zeichnet sich aus durch wenige Verarbeitungsschritte und eine hohe Nährstoffdichte wie z.B. Obst, Gemüse, Nüsse und Samen. So bin ich dann auch zur Rohkost gekommen. Ich wollte einfach ein neues Level erreichen.

Rohkost – hmm – warum gerade Rohkost?

Die Rohkost bietet dem Körper ein perfektes Säure-Basen-Gleichgewicht und liefert unserem Körper Power durch z.B. wertvolle Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Der Kick also fürs Gemüt und jede Körperzelle.

Jessica, du hast gerade von Säure-Basen-Gleichgewicht, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen gesprochen… Kannst Du es so erklären, dass es meine sehr interessierte 65J Mama es auch versteht?

Ok gern. Unser Körper ist darauf ausgerichtet in einem sehr engem PH-Bereich optimal zu funktionieren. Unser Blut z.B. Ist idealerweise ein wenig basisch, schon geringfügige Veränderungen hin zu sauer oder zu basisch kann zu heftigen Symptomen führen. Wenn Du zu ’sauer‘ wirst können folgende Signale auftreten:  z.b.  eine laufende Nase, Hautausschläge oder Entzündungen. Es ist erheblich leichter zu übersäuern als basisch zu werden, da der Körper durch Nebenprodukte des Stoffwechsels, der Atmung und des Zellabbaus ganz natürlich mit den daraus entstehenden Säuren konfrontiert ist. Wenn wir jetzt noch säure fördernde Nahrung zu uns nehmen, hat unser Körper einen harten Job und versucht sich über die Haut, die Schleimhäute, das Bindegewebe und den Darm zu entlasten. Rohkost bietet hier dem Körper einen basischen Ausgleich.

Vegetarisch ist wie Rauchen. Rohkost ist das neue Vegan!

Die Enzyme spielen eine sehr wichtige Rolle für unseren Stoffwechsel und unsere Verdauung und damit für alle lebenswichtigen Prozesse in unserem Körper. Es gibt zwei Hauptarten von Enzymen die der Organismus produziert. Zum einen Verdauungsenzyme und zum anderen Stoffwechselenzyme. Verdauungsenzyme sind für die Aufspaltung von Nahrung verantwortlich, Stoffwechselenzyme machen ihren Job indem sie für Blut-, Gewebe- und Organaufbau und vieles weitere zuständig sind. Über die Nahrung nehmen wir weitere Enzyme auf.

Alle Enzyme haben gemein, dass sie sehr PH und hitzeempfindlich sind, Temperaturen über 47 Grad Celsius führen zur Zerstörung. Umso mehr enzymarme Nahrung aufgenommen wird (gekochte oder hochverarbeitete Lebensmittel) umso mehr muss der Körper mit der eigenen Enzymproduktion gegensteuern. Und umso mehr Zeit für die Produktion von Verdauungsenzymen gebraucht wird, umso weniger Raum bleibt für die Produktion von Stoffwechselenzymen. Rohe, pflanzliche Nahrung liefert dem Körper genügend Enzyme um nicht zu belasten und gleichzeitig Aufbauarbeit und Regeneration zu betreiben.

Vegetarisch ist wie Rauchen. Rohkost ist das neue Vegan!

Gibt es Nahrungsmittel die mich jung, sexy und knackig aussehen lassen?

Jung, sexy und einen knackigen Po – das wollen alle immer, oder?

Wo wir wieder bei den Enzymen wären. Mit zunehmenden Alter lässt die körpereigene Enzymproduktion nach, wenn Du jetzt lebendige Nahrungsmittel isst, ist es dem Körper möglich jung und frisch zu bleiben! Vielleicht auch jung, sexy und knackig.

Wie du dein Fett schmelzen läßt, musst du selber herausfinden.

 

Ok, wie kann ich denn meine Ernährung umstellen, wenn ich damit Fett verbrennen möchte?

Hier ist es erst mal wichtig wieder eine Balance von Hunger- und Sattgefühl herzustellen. Es geht ja wahrscheinlich nicht darum, nur kurzfristig die Fettverbrennung anzukurbeln. Wenn wir auf hoch nährstoffhaltige Nahrungsmittel zugreifen (Rohkost) gibt der Organismus plötzlich wieder natürliche Signale, was er braucht. Es pendelt sich z.b. ein, dass genügend Pausen zwischen den Mahlzeiten eingehalten werden.

Zum Thema Pausen: Auch Schlaf ist wichtig für die Fettverbrennung. In den Schlafzeiten wird Cortisol abgebaut und so wird der Muskelaufbau und die Fettverbrennung angekurbelt! Und was häufig unterschätzt wird ist eine ordentliche Vitamin D Versorgung. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass es dem Darm gut geht. Nach Antibiotikaeinnahmen, schweren Stressphasen oder einer einseitigen Ernährungsweise kann eine Darmkur/Darmreinigung helfen das Gleichgewicht herzustellen. Auch entzündliche Prozesse im Körper durch Allergien, Unverträglichkeit oder Stress (Cortisol) stehen der Fettverbrennung und einem schlanken Körpergefühl im Weg.

Du siehst, dass ich hier jetzt nicht so gern Pauschallösungen präsentiere. Wie du dein Fett schmelzen läßt, muss jeder individuell herausfinden. Aber das machst Du ja Marc. Von Dir erhalten sie ja individuelle Trainings- und Ernährungspläne, oder?

 

Ja. Stimmt. Wer jetzt mehr wissen möchte schaut unter www.plus-size-fitness.com. Aber bleiben wir bei Dir, Jessica. Gibt es eine Ernährung, die Du besonders für Yogis empfehlen würdest?

Für Yogis ist ja erst mal eine Ernährungsweise wichtig, die den Geist ruhig und den Körper geschmeidig hält. Nahrungsmittel beeinflussen ja nicht nur unseren Körper sondern auch unseren Geist. So ist es gut, wie oben beschrieben, sich von Nahrungsmitteln fernzuhalten, die uns träge machen oder zu stark erregen.

 

Was würdest Du einem Kraftsportler empfehlen?

Einem Kraftsportler würde ich per se erst mal empfehlen auf die Nährstoffdichte zu achten, der zweite Tipp ist auf die Toxinbelastung Rücksicht zu nehmen. Ein vergifteteter, aufgeschwemmter Körper baut nicht gern Muskelmasse auf. Und definiert ist er dann auch nicht mehr. Biologisch angebautes Obst und Gemüse, reichlich basische Flüssigkeitszufuhr, viel Grünzeug und pflanzliche Proteinquellen schaffen Abhilfe (z.B. Hanfprotein).

 

Was sagst du zum Thema „Grüne Smoothies“?

Ich liebe grüne Smoothies. Hier mein absoluter Favorit: Grüner Salat anfangs nur eine Handvoll, später gern mehr. Hier gilt die Regel, umso grüner, umso besser. Hier die Zutaten:

  • 1/2 Mango
  • 2 Handvoll Blaubeeren
  • 1 Banane
  • 1 Esslöffel Maca Pulver in Rohkostqualität (Maca ist der Stresskiller: es stärkt die Nebennieren und gibt dem Körper Energie, ohne künstliche Stimulanzien)
  • 2 Datteln
  • 300ml Wasser

Zubereitung:

Beim Wasser musst du selber entscheiden, wie fest Du Deinen Smoothie magst (ich mag ihn flüssig gern und nehme 300ml). Manche mögen aber auch eher eine puddingartige Konsistenz, dann nimm nur 220 – 250ml. Optional 4 EL Hanfproteinpulver.

Gibt es noch weitere Tipps, Jessica?

Klar, hier noch ein Produkttipps in Rohkostqualität. Ich persönlich liebe die Produkte von Keimling und Pure Raw, da bekomme ich alles was ich so brauche. Wenn Du mit Rohkost beginnst braucht es einen guten Mixer mit hoher Umdrehungszahl und ein gutes Messer. (Tipp der Redaktion: Omniblend). In Hamburg gibt es im „Veganz“ eine gute Auswahl an Rohkost Produkten.

In diesem Sinne wünsche ich den Lesern vom | elbsprint blog | das sie ihren eigenen Weg der Ernährung und den für sie richtigen Zugang zu ihrer Bewegungsform finden. Ich habe mein Glück im Yoga gefunden und lebe es jeden Tag.

Übrigens jetzt öfters im Jahr auch ausserhalb Deutschlands in unserem Retreat Haus in Italien. Mehr Infos dazu findet ihr auf der Samtosha Homepage. Wir bieten hier organisierte Yogareisen an oder vielleicht möchtet ihr auch mit einer Gruppe von netten Menschen das Haus als Unterkunft nutzen. Wir freuen uns auf Anfragen aller Art.

Mein Fazit:

Vielen Dank, Jessica, für das schöne und ehrliche Interview. Ich glaube, das die Rohkost eine echte Alternative ist. Und auch wenn ich immer noch und immer wieder gerne Fleisch esse, verzichte ich viele Tage in der Woche vollkommen darauf. Es gibt bei der Art und Weise der Zubereitung (ja, ich dünste allerdings mein Gemüse noch) reichlich Möglichkeiten der leckeren Zubereitung. Vitamine und Micronährstoffe sprechen für sich. Wenn der Ein- oder Andere da mal wieder hin kommen würde, könnten sich viel die teuren Supplements sparen. Aber das ist ja nur meine Meinung. Um aber dieses Interview in der Yoga Laune abzuschließen: Wer bin ich über andere zu richten….Du bist was du isst.

Hier die Kontaktdaten für Jessica und ihre Yogaschule.

Samtosha

Jessica Hildebrand

Löhrgasse 2

45657 Recklinghausen

Homepage: www.samtosha-recklinghausen.de

Telefon 02361 9062162

 

In diesem Sinne: Om

Euer Yogi Marc

 

Hier noch ein paar Tipps zu einigen „sogenannten“ Superfoods

INFO DER REDAKTION: Alle hier von Jessica aufgezählten Produkte sind aus freier Entscheidung in diesem Artikel erschienen. Dieser Beitrag enthält keine bezahlte Werbung. Keine der erwähnten Firmen hat uns in irgendeiner Art und Weise – weder mit Produkten oder finanziell – unterstützt.