Du spielst mit dem Gedanken, ein Boutique Studio zu gründen? Marc Rohde gibt 8 Tipps, mit denen du deiner persönlichen Business-DNA näherkommst und dich so am Markt erfolgreich mit einem Boutique Gym platzieren kannst. Um eine erfolgreiche Gründung eines Boutique Fitness Studios durchzuführen, bedarf es mehr als diese 8 Tipps. Aber sie sind ein richtig guter Anfang dafür.

Die Fitnessbegeisterten lieben Boutique Gyms und die Idee vom Microstudio. Und ganz sicher nicht, weil sie groß sind, eine Gerätevollausstattung haben oder sich über die Preispolitik platzieren. Im Gegenteil – sie sind wie Modeboutiquen: persönlich, kompetent, durchdacht, spezialisiert, liebevoll, kundenorientiert und detailverliebt. Aber wie genau machen die das?

 

Extraktion der Unternehmens-DNA

Es gibt mindestens zwei unterschiedliche Arten von Boutique Gyms (BG). Welche die so aussehen wie ein Boutique Gym – nennen wir sie im Folgenden Boutique Gym „Look“ – und die, die die DNA eines Boutique Gyms leben – nennen wir sie Boutique Gym „Feel“.

Viele Firmen, die mit Geräten handeln, möchten Studios auf die Größe und die Ausstattung beschränkt wissen und bieten fertige Boutique-Gym-Konzepte an (Look).
Nichts dagegen – allerdings ist es wichtig zu prüfen, ob man das Boutique-Gym-Konzept selbst leben möchte oder ob es als Investitionsobjekt genutzt werden soll. Beides ist in Ordnung, aber grundlegend anders zu behandeln. Hier die Unterschiede nach meiner Definition:

 

Boutique Gym „Feel“

Hier investiert der Betreiber Zeit, Leib und Seele. Die individuelle Dienstleistung steht im Vordergrund und der Service ist die überzeugende Komponente für die Kunden und die Community. Sich zugehörig zu fühlen, ist das Hauptargument für das BG „Feel“. Als Headcoach findet man hier einen absoluten Spezialisten und Freak, dem die Mitglieder vor laute Authentizität alles abnehmen; sie identifizieren sich mit ihm und seiner Unternehmung. Schwer zu kopieren, kaum zu skalieren. Viel Seele, aber – und auch das ist ein Fakt – nicht immer finanziell lukrativ, da trotz ca. 70 Euro Monatsbeitrag in dieser Art Gym, das ausschließlich aus Kursangeboten besteht, immer nur pro Kurs eine bestimmt Teilnehmerzahl partizipieren kann. Daraus ergibt sich bei den meisten Anlagen ein begrenztes Platzangebot und somit auch nur eine bestimmte Anzahl an zufriedenen Kunden/pro Monat, die man mit so hoher Qualität bedienen kann.

Boutique Gym „Look“

Ein Raum mit festgelegten Modulen. Boden, Licht, Farben, Geräte und Equipment sind aus einer Hand. Ein „Easy to Install“-Konzept. Manchmal steckt hinter dem Konzept ein Programming mit Updates und unterschiedlichen Klassen und Inhalten. Vom Flyer bis zur Abrechnung ist alles geregelt. Das hat viele Vorteile, aber manchmal wird die Seele des Gyms – das Team – vergessen und es wird am Personal gespart. Der Wunsch nach einer Skalierung ist nachzuvollziehen. Ebenso die Reduzierung der Fixkosten.

Aber eben genau dieser Punkt entscheidet über Erfolg oder Misserfolg – und im Fall einer Definition von Boutique Studios/Microstudios von LOOK und FEEL eben auch.

 

Wunsch nach einer anderen Art „Dienstleistung“

Jeder kann eine Hantel kaufen, sie zur Nutzung bereitstellen und als Gerätevermieter fungieren. Die Frage ist nur: Wie lange werden die Mitglieder bereit sein, dafür noch Geld zu bezahlen? Wenn wir uns die aktuelle Entwicklung anschauen, fordern immer mehr Kunden etwas anderes. Denn immerhin sind 2.500 Microstudios entstanden, obwohl sich die Anzahl der trainierenden Menschen in Deutschland nur unwesentlich gesteigert hat! Und da der „Fitnesskuchen“ eine bestimmte Größe hat, müssen unweigerlich Bestandskunden den bestehenden Anbietern der Einzel- und Kettenunternehmungen abgewandert sein. Also gibt es einen Wunsch der Kunden nach einer anderen Art Dienstleistung. Es geht nicht länger darum, was die Mitglieder machen (z.B. Kniebeugen), sondern darum, wie sie es machen. Entscheidend sind dabei die folgenden Kriterien:

  • Lernumfeld: Kann ich dem Trainer vertrauen und baut er mein Selbstbewusstsein auf?
  • Qualität des Gelernten: Kann ich eigenverantwortlich und auch allein die Übungen sicher durchführen?
  • Sicherheit in der Umsetzung: Hat der Trainer die nötige Fachkompetenz?
  • Vielfalt der Gestaltung: Kann der Coach Übungen und Workouts skalieren und für mich zugänglich gestalten?

 

8 Tipps für die Entwicklung eines Konzeptes

1) Spezialisiere Dich

„Es liegt in der Natur des Menschen, Bekanntes zu hinterfragen, Neues lernen zu wollen und Herausforderungen anzunehmen. Der Mensch ist ständig dabei, sein Leben zu optimieren.“ (Csikszentmihalyi & Rathunde, 1993; Ryan, 1995) Das ist der Grund, warum der Altersdurchschnitt in Boutique Gyms bei 44 Jahren liegt, während Ketten mit einem Schnitt von 36 Jahren jüngere Mitglieder aufweisen.
Achte darauf, dass die Bindung in deinem Gym nicht nur auf Basis des physischen, sondern auch auf der psychischen Ebene stattfindet.

Beispiel: Ein Yogastudio vermittelt immer neben der körperlichen Ebene auch die Geistesebene.
Der Yogalehrer repräsentiert mit großer Wahrscheinlichkeit einen authentischen Lebensstil. Einzig einen Raum mit Yogamatten zur Verfügung zu stellen, erzeugt kein Erlebnis bei den Teilnehmern. Zudem geht der Blick der Kunden seit einigen Jahren nach oben. Jeder möchte wie ein Profi trainieren, auf die gleichen Produkte zurückgreifen und von den besten Trainern trainiert werden. Dafür
sind Mitglieder bereit, mehr zu bezahlen. Daher solltest du folgende Punkte beachten:

  • Finde einen Headcoach, Cheftrainer, Vorbild, der deine Inhalte perfekt präsentiert und lebt.
  • Präsentiere dich „spitz“ und hebe dich auf diese Weise von der Masse ab.
  • Mache deine Leistung (Öffnungszeiten) dann zugänglich, wenn es die Zielgruppe fordert.

Elevator Pitch

Um zu überprüfen, ob du mit deinem Konzept einzigartig und gut vorbereitet bist, stelle dich selbst dem Elevator Pitch. Und der geht so: Stell dir vor, du steigst in den Fahrstuhl und ein möglicher Investor steht im Aufzug vor dir und sagt: „Sie haben nun diese 60 Sekunden Zeit, mir zu erklären, warum ich mein Geld in Ihr Unternehmen stecke sollte!

 

2) Fokussiere deine Zielgruppe

Viele „Chefs“ fokussieren auf ihre persönlichen Wünsche und Vorlieben, wie z.B. Powerracks oder 80-kg-Kurzhanteln und das Einsparen eines Kursraums. Dabei sagt die Mitgliederstruktur der „Eckdaten 2019“, dass 55 Prozent aller Mitglieder Frauen sind. Sollte dein Konzept auch auf diese Zielgruppe abzielen, solltest du auf jeden Fall über einen Kursraum nachdenken. Denn Kurse stehen bei den weiblichen Kunden immer noch höher im Kurs als bei den Männern.
Hast du spezielle Zielgruppen im Auge, wie z.B. Übergewichtige oder Senioren, sei dir der besonderen Anforderungen bewusst und stelle diese in den Vordergrund. Kalkuliere auch Gegenwind von „nicht zur Zielgruppe gehörenden Menschen“ mit ein.
• Arbeite nur mit Trainern, mit der sich die Zielgruppe identifizieren kann.
• Nutze Bezeichnungen, die der Zielgruppe geläufig sind.
• Orientiere dich an den Werten und Glaubenssätzen und fördere diese durch dein Team.

 

3) Kenne die wahren Antreiber

Menschen suchen und treffen grundsätzlich gerne Gleichgesinnte.
Bestandteil einer Gruppe zu sein bedeutet auch, nicht alle Werte und Glaubenssätze erklären zu müssen und sich trotz weniger Freunde in der Gruppe „zu Hause“ zu fühlen. Man teilt dasselbe Schicksal oder auch dieselbe Leidenschaft. Gerade in der heutigen Zeit und in der Anonymität
der Großstädte vermittelt so ein Studio Zugehörigkeit – und einen Hauch von Familie. Das bedeutet für dich als Betreiber:

• Schaffe Problemlösungen.
• Verbinde Gleichgesinnte und schaffe eine Community.
• Stärke die Überzeugung der Gruppe.
• Frage die Zielgruppe nach besonderen Bedürfnissen.

 

 

4) Erzähle eine Geschichte

Versuche, mit deinem Konzept das Leben der Mitglieder positiv zu beeinflussen und langfristig mit einzubinden weg von schlechte Gewohnheiten, hin zu Push-Effekten, zu einer neuen, positive Lebenseinstellung. Beispiel: Dein Headcoach ist einer der Besten in seiner Sportart? Lass ihn ein bestehendes Konzept weiterentwickeln und nutze seine Erfahrung, um dich mit seinem Know-how von den Mitbewerbern abzuheben.

  • Entwickle Vorbilder.
  • Schaffe mit eigenen Farben, eigenen Symbolen und einem eigenen Wording eine eigene Welt.
  • Entwickle bestehende Konzepte weiter.
  • Schaffe deinen eigenen Stil mit Fokus auf Musikrichtung, Ansprache, Aufbau des Kurses, Einsatz von Geräten

 

 

5) Investiere in Ausbildung/Trainer

Das Beste ist gerade gut genug? Vor einigen Jahren hatten choreografierte Kurskonzepte den großen Durchbruch. Es gab in kurzer Zeit sehr viele Trainer, die diese Kursformate unterrichten konnten – und gleichzeitig gab es ein gutes Niveau, eine verlässliche Progression für die Teilnehmer. Für sehr viele Gyms ein große Gewinn an Qualität und wenig Ärger um das Kursmanagement (Vertretungen, ausreichend Trainer, Qualität). Heute geht der Trend bei den BG in genau die gegenteilige Richtung. Tolle Coachs haben
einen Pull-Effekt. Gute CrossFitter ziehen die Mitglieder aus der ganzen Stadt in eine Box, tolle Boxlehrer, Athletiktrainer, Dance Koryphäen und viele andere Anbieter leben von dem Ruf ihrer Top-Coaches.
• Engagiere „Over the Top“-Coachs, um Target Group Leader zu ziehen.
• Fördere die Trainer und gib ihnen Entwicklungschancen.
• Erarbeite deine Werte und finde Mitarbeiter mit der gleichen Überzeugung.

 

6) Erschaffe Zugehörigkeit

Menschen wollen sich identifizieren. Um sich mit etwas beschäftigen zu können, benötigt man eine Welt (siehe oben). Ganz praktisch sollte das Logo deines Gyms auf den Shirts und Bags der Mitglieder zu sehen sein. Kombiniere deinen Webshop mit wertvollen Inhalten in Form von Podcasts/ Trainingsvideos auf Instagram. Gib stolzen Mitgliedern eine Plattform.
• Arbeite an deinen Werten in der Außendarstellung, nachdem dir deine DNA (inneren Werte) klar sind.
• Kreiere Anknüpfungspunkte in den Social-Media- und Online-Kanälen.
• Ein Webshop hilft dir dabei, dass die Menschen ihren Stolz zeigen können (bspw. T-Shirts, Handyhüllen etc. mit Logo).

 

7) Finde eine Nische

Nur weil deine Idee absurd ist, bedeutet das nicht, dass du keine Kunden dafür generieren kannst. Deine Markenpositionierung entscheidet darüber, ob du heute mit dem Angebot im Internet gefunden wirst und Erfolg zu verzeichnen hast. Beispiele für Nischen sind Unterwassercycling, Workouts als Livekurs im Club mit gleichzeitigem Internetstreaming für zu Hause oder Psycycling (Cycling mit psychologischem Coaching in den Einheiten).
• Trau dich. Nur weil es dein Konzept noch nicht gibt, bedeutet
das nicht, dass es erfolglos sein wird!

 

8) Sei dir über deine Einzigartigkeit bewusst

Selbst wenn es dein Konzept in der Art schon gibt (z.B. ein Cycling oder Rowing Gym in deinem Ort), bedeutet das nicht, dass du es nicht mit anderen Tools oder Ansätzen mischen und so trotzdem ein neues erfolgreiches Unternehmen damit aufbauen kannst. Ob dein Konzept als Stand-alone-Boutique-Gym geplant ist oder ob du einen Shop in Shop in deinem Big-Box-Gym eröffnen möchtest, um die Abwanderung zu neuen Anbietern im Rahmen zu halten – du kommst nicht darum herum, dir zu den o.g. Punkten einen Plan zu machen.

Resümee

Deine Aussichten auf ein erfolgreiches Boutique Gym steigen, wenn du mit den oben genannten Tipps deine Unternehmens- DNA entwickelst und umsetzt. Große Gewinne sind in diesem Bereich nicht einfach zu erwirtschaften. Einige große Ketten haben bereits mit Boutique Gyms
„Look“ versucht, den Markt zu sättigen, und sind damit gescheitert. Gerade in Ballungsgebieten gibt es sehr erfolgreiche Boutique-Gym-Konzepte, die Fitnessfreaks anziehen, weil ihr Name ihnen vorauseilt.
Als Einzelunternehmer eines Boutique Gyms wirst du aber auch immer arbeiten müssen. Du und deine Person sind ein wichtiger Grund für die Mitglieder, in deinem Gym zu trainieren. Du wirst aber auch eine sehr erfüllte Arbeit haben, da deine Mitglieder diese sehr zu schätzen wissen. Wenn du eine „zweite Familie“ haben möchtest, dich total mit dem Konzept identifizierst und der Inhalt dein Leben
ist, kann ich dir nur ein klares „Go!“ mit auf den Weg geben.

Strikte Arbeitsweisen

Erfolgreiche BGs folgen strikten Arbeitsweisen. Sie bilden stets eine Community, bieten ein perfektes Programming, offerieren Trainerfortbildungen (inhaltlich und auch für die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Mitarbeiter), haben einen Merchandise Shop, eine suchmaschinenoptimierte Internetpräsenz inklusive Buchungstool, Social-Media-Kanälen und herausragendem Fotodesign, da in der Zukunft viele Entscheidungen digital gemacht werden. Alles zusammen mündet in einem sehr scharfen Unique Selling Point, den die Zielgruppe wahrnimmt.

Eine kleine, letzte Info: In London gibt es aktuell weit mehr als 250 Boutique Studios!

 

Wenn Sie Fragen zu einem aktuellen Projekt haben oder meine Expertise für ein anstehendes Projekt einsetzen möchten, freue ich mich über eine Email an info@elbsprint.de