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Allgemein

Trainerausbildung und Persönlichkeitsentwicklung für Kurstrainer! Vorhandenes Potential nutzbar machen.

By 23. Februar 2022No Comments

(Oder: Wie ich externe Kurstrainer zum wertvollen Bestandteil des Teams mache)

Boutique Gyms setzen seit Stunde Null auf Trainerausbildung & Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter. Dafür wurden sie in den ersten Jahren sehr belächelt. Nicht richtig ernst genommen wurde das Konzept in kleinen Gruppen große Dinge zu vollbringen. Nicht “veritabel als Businessmodell”, zuviel Aufwand für zu wenig ROI pro QM.

Große 24/7 Gyms, Geräte und Flächenvermietung sind gerade für Investoren gewinnbringende, wirtschaftlich betriebene Anlagen. Equipment ist und war trumpf. Die dazu gewonnene Hoffnung durch digitale Endprodukte eine höhere Bindung zur Zielgruppe herzustellen hat sich allerdings in vielen Fällen egalisiert.

Sicherlich hat dazu die Situation in den letzten 24 Monaten beigetragen, die wir alle erleben mussten. Menschen möchten heute wieder näher zusammenrücken und freuen sich auf Interaktion miteinander. Die digitalen Lösungen (Smartphone, Tablet, App) ein Stück weit aus dem Mittelpunkt zu nehmen ist bestimmt smart. Alles hat seine Zeit und jetzt sind wieder etwas mehr die Menschen dran. Digital bleibt zu 100% ein großer und hilfreicher Bestandteil des gesamten Business und jeder noch so analoge Trainer sollte sich diese Tools zur Hilfe nehmen.

Trainerausbildung & Persönlichkeitsentwicklung

WIEDERERÖFFNUNG

Nun besteht also Hoffnung, dass sich in den nächsten Monaten alles relativiert. Kursbereiche öffnen wieder, Angebote werden wieder analog genutzt und die Anzahl der Mitarbeiter in den relevanten Bereichen soll wieder aufgestockt werden.

TRAINERAUSBILDUNG = PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG = CHANCE

In dieser Situation liegt eine große Chance Dinge anders anzugehen und die Parameter, die unsere Mitglieder in der Onlinebetreuung gelernt und adaptiert haben in den Studioalltag zu integrieren. Den wichtigsten Bereich dafür haben die meisten Gyms parat: Den Kursbereich und die Mitarbeiter, die diesen Ort zu einem Erlebnis werden lassen.

PEOPLE DRIVEN BUSINESS

Denn eines ist sicher: Vor der Pandemie ist nach der Pandemie. Bestimmte Dinge haben sich bis dato nicht geändert. Der Kursbereich war schon immer ein „People-driven-business“. Und das ist es jetzt nach der Pandemie umso mehr.

Denn nach der Neuorientierung der Mitglieder in das Onlinebusiness, muss man als Betreiber auch im Auge haben, dass Trainer ihre neu gewonnene Community mit in die Studios bringen. Echtes Potential also. Echte Fans wechseln die Studios, weil sie in der Pandemie ein neues, sportliches Vorbild in dem Onlinetrainer gefunden haben. Dieser Onlinetrainer, der trotz der Einschränkungen einen Weg zu den Menschen gefunden hat. Jemand, der ständig an der Seite war und die „harten Zeiten“ mit Bewegung, Ernährung, guter Laune und Motivation unterstützt hat.

DIE BINDUNG ZU DEN (KURS)TRAINERN -UNABHÄNGIG VOM FITNESSSTUDIO -IST GESTIEGEN WIE NIE ZUVOR.

Begründung für Trainerausbildung und Persönlichkeitsentwicklung:

  • Durchführung von Trainingsgruppen mit bezahlbarer Qualität und Personal-Training-Flair
  • Knowhow-Vermittlung
  • Aufbau von Selbstbewusstsein- und Selbstwirksamkeit bei den Kunden
  • Verantwortung/Verbindlichkeit eines Trainers für den Kunden
  • Motivation und Pull Effekt durch Commitment (4 Wochen-Online-Kurs etc.)
  • Gemeinsam durch die „harte Zeit“.

Ganz bestimmt sind dies einige der Gründe, warum in der jetzigen Zeit mehr denn je Kontakt zu Sportgruppen und Situationen gesucht wird, in denen Menschen gemeinsam Sport treiben.

Welche Faktoren beeinflussen also den Kursbereich maßgeblich und sind für den Erfolg verantwortlich? Diese Frage ist so pauschal nicht zu beantworten, aber ich nehme mir einmal 3 Fakten heraus, anhand derer ich die Sichtweise auf die Situation näher erläutere.

Welchen Anteil haben (Kurs)Trainer daran, dass ein Kursbereich profitabel ist?

Trainer sind nach wie vor Kontaktpunkt Nr.1, Ansprechpartner für Menschen und für eine außerordentliche Mitgliederbindung verantwortlich. Um diese „Strategie“ für das Studio nutzen zu können und erfolgreich umzusetzen, gilt es, die sozialen Kompetenzen des Trainers zu fördern. Da es keine allgemeingültige Liste davon gibt möchte ich die soziale Intelligenz m. M. nach als wohl wichtigste Kompetenz des Trainers der Zukunft nennen.

SOZIALE INTELLIGENZ: DIE FÄHIGKEIT, ANDERE UND IHRE EMOTIONEN ZU VERSTEHEN UND SICH IHNEN GEGENÜBER PASSEND ZU VERHALTEN.

Dafür muss man als Trainer mit den klassischen Bestandteilen (aktives Zuhören, Empathie, etc.) ausgestattet sein, da dies sonst so nicht möglich wäre. Die „5 Minuten-vorm-Kurs-Small-Talk-Regel“ dürfte in der Zukunft wieder deutlich wichtiger werden. Die Bindung findet nämlich nicht mehr über Squats, HIIT, Bootcamp oder die neue Quarterly Choreografie statt, sondern mehr denn je über Persönlichkeit, Nähe und Verständnis des Trainers, der dies unterrichtet.

PERSONALITY

Denn Mitgliedern reicht nicht mehr aus einer von Vielen in der Gruppe zu sein, genauso wenig, wie sie wollen, dass der Coach dem sie folgen einer von Vielen ist. Der Wunsch nach herausragenden Persönlichkeiten zum Zwecke der eigenen Identifikation wächst in allen Bereichen, so auch bei den Menschen, die in der Zukunft in Kursformaten zu finden sind. Mitglieder und Trainer! Denn auch Trainer suchen sich zukünftig eine Community, mit der sie sich identifizieren können. Es ist also alles deutlich abhängiger von den Menschen. Zudem ist dies Szenario in beide Richtungen denkbar. Eine gute Trainerausbildung ist es also ebenso wie die Entwicklung der Trainerperönlichkeit. Hierfür sind alle Beteiligten gefragt.

ICON BUILDING

Beispiele hierfür sind Peloton, Barrys Bootcamp, Orange Cycle und diverse andere Boutique Gyms, die Icon-Building bereits auf ihren Webseiten betreiben. Eigene Imagevideos für jeden Coach, die Lebensgeschichte, Playlisten und Rezepte. Je mehr vermeidlich „private“ Infos von den Coaches feilgeboten werden, desto stärker können sich die Mitglieder mit ihnen identifizieren. Ob der Steckbrief am Ende stimmt oder nicht, dürfte zumindest in Ney York, Barcelona oder Sydney kein Mitglied interessieren. Hier in Deutschland aber schon.

GOOD COP, BAD COP

So sehr Trainer nachhaltige Bindungen schaffen können durch ihre Persönlichkeit, so sehr sind sie demnach auch dafür verantwortlich, dass Mitglieder sich gegen einen Kurs oder ein Studio entscheiden. Das ist zwar schon immer so, aber die Macht, die Trainer mit und durch ihre Community über die Studios zukünftig haben, wächst ganz einfach dadurch, dass sie durch die Onlinecommunity unabhängiger geworden sind und dies wahrscheinlich auch bleiben werden.

Demnach sind Trainer und ihre Persönlichkeit zukünftig noch wichtiger, um sich von den Mitbewerbern im Markt zu unterscheiden

Wie können Studiobetreiber die (Kurs)Trainer fördern und entwickeln, damit diese zufrieden sind und sich dies in der Kursqualität widerspiegelt?

Abgesehen davon, dass es z.Z. schwierig ist Personal für sein Studio zu finden, möchte ich im Folgenden ein paar Tipps* zur höheren Zufriedenheit der Trainer geben. Auch hier möchte ich darauf verweisen, dass es sich um generelle Empfehlungen handelt. *Eine Strategie zum Rekruitment und Onboarding muss immer individuell erfolgen und wird durch die ICHBINTRAINER GbR in den Workshops sichergestellt.

  1. Rekruitment & Onboarding: Der erste Schritt für zufriedene Mitarbeiter ist eine realistische Beschreibung der Tätigkeit. Klafft zwischen Erwartung und Realität eine Lücke, ist die Frustration für beide Seiten eine Frage der Zeit. Des Weiteren hilft eine gut strukturierte Einarbeitung und Leitfäden zur Qualitätssicherung dabei dem neuen Trainer Sicherheit zu geben. Zum Beispiel:
    1. Kommunikationsleitfaden
    1. Cueings & Wording
    1. Angewendete Coachingmethode
  • Erwartungen: Jeder MA erfüllt gerne die Erwartungen. Damit das möglich ist, hilft es eine Liste mit den Erwartungen/Zielen zu definieren. Wenn diese mit einem Termin versehen ist, gibt es eine klare Vorgabe. Wenn der MA dieses Ziel erfüllt, macht es demnach sofort Sinn über weitere Ziele nachzudenken. Ein guter Moment für ein Mitarbeiterentwicklungsgespräch*.

*Übrigens: Laut unserer Trainerstudie „Fitness braucht Trainer“ haben 62,5% aller Studienteilnehmer 1 x pro Jahr oder weniger ein Mitarbeiterentwicklungsgespräch.

Studie “Fitness braucht Trainer”, Rohde & Höner, 2022
  • Wertschätzung und Anerkennung: Orientierung und Anleitung sind gerade für Kurstrainer enorm wichtig. Viele Festangestellte bekommen diese Orientierung durch den Vorgesetzten, viele Freiberufler müssen selber dafür sorgen bzw. werden nicht als Teil des Teams angesehen und gehen deshalb in Sachen Wertschätzung leer aus. Dabei sind gerade die Freiberufler für einen Großteil der Arbeit im Kursraum verantwortlich.

Aber es liegt in der Natur der Sache, dass man weniger in sie investiert, weil sie ja „Freiberufler“ sind und eben „auch noch woanders arbeiten“. Dabei kann man gerade in der jetzigen Zeit sehr loyale Mitarbeiter unter den Freiberuflern gewinnen, wenn man ihnen Wertschätzung und Anerkennung entgegenbringt. Eine Einladung zum Teamabend ist für viele Freiberufler immer noch eine echte Seltenheit, bringt aber ggf. ein hohes Maß an Verbindlichkeit.

  • Individuelle Förderung: Jeder Mensch möchte sich weiterentwickeln. Das liegt in der Natur der Sache. Der Umgang damit ist sicherlich unterschiedlich, aber ich behaupte, dass das jedem Menschen in die Wiege gelegt worden ist, lernen zu wollen. Laufen lernen haben wir ja auch alle hinbekommen. Für jeden Schritt und jeden noch so wackeligen Versuch sind wir allerdings auch reichlich mit Lob übersät worden.

In der Entwicklung von erwachsenen Menschen gibt es allerdings leider immer wieder störende Faktoren (Schule, Lehrer, Misserfolge), die dazu führen, dass Menschen sich nicht mehr an der individuellen Förderung beteiligen möchten.

Dies gilt es zu reaktivieren. Eine hilfreiche Methode dazu: Psychologische Sicherheit.

PSYCHOLOGISCHE SICHERHEIT: MAß DER SICHERHEIT, DIE TEAMMITGLIEDER EMPFINDEN, UNANGENEHME WAHRHEITEN AUSZUSPRECHEN, FEHLER EINZUGESTEHEN UND UNTEREINANDER VERLETZLICHKEIT UND UNSICHERHEITEN ZU ZEIGEN.

William Kahn (1990) erkannte zusätzlich, wie und das die psychologische Sicherheit bestimmt, ob Menschen engagiert sind oder eben nicht.

  • Feedbackkultur: Um Punkt 4 zu unterstützen sollte eine verbindliche Kommunikationslinie herrschen, die auf positiver Entwicklung und Aufbau ausgerichtet ist. Wenn dieses Tool bisher nur geringe Beachtung gefunden hat, liegt hier ein für alle sehr nützliches Tool zur Mitarbeiterbindung parat.

*Übrigens: Laut unserer Studie „Fitness braucht Trainer“ leben 48,5% aller Studienteilnehmer in ihren Unternehmen eine aktive Feedbackkultur.

Studie “Fitness braucht Trainer”, Rohde & Höner, 2022
  • Selbstwirksamkeit: Jeder Kurstrainer ist gut ausgestattet mit Skills, die ihn Bewegung interpretieren lassen. Vielleicht gibt es im Unternehmen die Chance, seine Skills in Sachen Präsentationen von theoretischen Inhalten zu entwickeln.

Beispiel:Der Kurstrainer besucht eine Fortbildung, die vom Studio bezahlt wird. (Ja, auch wenn es ein Freiberufler ist). Der Deal: Er fasst diese Fortbildung schriftlich zusammen, präsentiert diese vor dem Team und leitet eine Praxiseinheit ab, in der sich das Team als Lernende zur Verfügung stellen. Der externe Kursleiter wird eingebunden, die Gruppe wird gestärkt. Die Art der Präsentation nud die Vermittelten Inhalte werden durch die Gruppe gefiltert und/oder geschärft.

Fazit/Sum Up:

Durch ein gutes (1) Rekruitment und Onboarding sind die (2) Erwartungen klar gesteckt.

Die (3)Wertschätzung besteht aus der für den (Kurs)Trainer kostenlosen Weiterbildung. Mit der passenden (4) individuellen Förderung und (4) psychologischen Sicherheit fühlt sich der Trainer in der Lage, die Präsentation angst-und druckfrei durchzuführen. Durch die positive (5) Feedbackkultur wird seine (6) Selbstwirksamkeit und Kompetenz für das Unternehmen gesteigert.

An dieser Stelle gibt es dann weder für den angestellten noch für den freiberuflichen Trainer:in einen Grund den Ort der persönlichen Weiterentwicklung zu torpedieren.

Der erfolgreiche Kursbereich besteht nicht aus komplizierten Choreografien oder teurem Equipment. Die Investition in individuelle Förderung ist eine Investition in das gesamte Team. Abschließend dazu möchte ich noch eine provokante Frage stellen, die sich jeder Betreiber stellen sollte bzw. die sich jeder Betreiber wohl hoffentlich mal gestellt hat:

  1. Was kostet es mich, einen guten Trainer zu beschäftigen?
  2. Und was kostet es mich einen schlechten Trainer zu beschäftigen?

Ahoi, Marc Rohde

Eine letzter Auszug aus unserer Studie „Fitness braucht Trainer“ , (Rohde und Höner) 2022 möchte ich anfügen: 85,3% aller Studienteilnehmer fühlen sich in ihrem Arbeitsumfeld sehr wohl bis wohl. Das ist eine tolle Zahl, die für positive Eindrücke beider Seiten spricht.  Die Zusammenarbeit zwischen Betreibern und Kurstrainern wird durch die oben genannten Maßnahmen sicherlich gestärkt. Wenn sie dabei Unterstützung suchen,  freuen wir uns, wenn wir sie dabei begleiten dürfen.

Marc Rohde